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Valcamonica Bei der Durchfahrt durch das Valle Camonica erhebt sich der Blick
allzuoft zu den Talbewohnern, die dabei sind, auf den zahlreichen Hochebenen entlang der
Talhänge Türme und Glockentürme aus Stein zu errichten. Die Unzugänglichkeit war die
ursprünglichste Verteidigung der Öfen und Schmieden, die hier bereits vor Eintreffen der
Römer bestanden.
Dieser Tätigkeit, ermöglicht durch die Nähe der Bergwerke und dem zur Verarbeitung
nötigen Gewässer und Gehölz, verdankt man den Wohlstand, der erlaubte, die Kirchen mit
erstaunlichen Kunstwerken zu schmücken.
Eine magische Gläubigkeit hat das Tal über die verschiedenen Epochen hinweg durchzogen,
von den Sonnenriten der Camuner mit dem Anzünden von Felsen zum Kult der römischen
Gottheiten bis hin zum nach Wunder und Hexenverbrennungen begierigen Christentum.
GESCHICHTLICHE HINWEISE
Hier erzählen uns die im ganzen Tal verstreuten
Felsgravierungen aus der Vorgeschichte. Die Camuner wurden 16 v. Chr. vom Prokonsul
Publius Silvius unterworfen, der entlang der Via Valeriana ins Tal hinaufzog und in
Cividate das Zentrum gründete.
Karl der Grosse vertraute das Tal 774 den Mönchen von Tours an, deren Anwesenheit heute
von den zahlreichen Sankt Martin gewidmeten Kirchen bezeugt wird. Die seit undenkbaren
Zeiten betriebene Förderung von Eisen und anderen Metallen hielt Schmelzöfen und
Werkstätten in Betrieb und hatte einen weltweiten Export der hergestellten Waren zur
Folge.
Bei seinen Einfällen in Italien passierte Barbarossa den Tonalepass und traf dabei auf
die Unterstützung des kriegsbereiten Adels der ghibellinischen Camuner, welchem später
Venedig, als es im Besitz des Tales war (15. Jh.), ein nur von starken Vorbehalten
charakterisiertes Vertrauen entgegenbrachte und in der Tat den Abbruch vieler Burgen
veranlasste.
1809 hielten die napoleonischen Soldaten im oberen Tal die Tiroler-Truppen, angeführt von
Andreas Hofer, auf. Auf den Schneefeldern der Adamello-Gruppe wurde 1915-18 ein
zermürbender Krieg in Schützengräben geführt.
Die Brücke am Fluss ruft
Ereignisse eines Jahrtausends hervor
Neben der Brücke von Montecchio birgt das Kirchlein des
Oratoriums einen wahren Kunstschatz - Die Burgen, die einst die Täler überwachten,
stehen heute in Funktion des Thermalfremdenverkehrs - Das Wiederauffinden des Gemäldes
"Ringen des Erzengel Michael" in Artogne
Die günstige Handelslage von Darfo steigerte die Wichtigkeit der Ortschaft, sodass sie
vor dem Jahre 1000 vom Kaiser Heinrich III. zum Sitz des königlichen Hofes auserwählt
wurde und im 12. Jh. sechstausend Einwohner zählte. Der erste Befürworter der
Thermalwasser von Boario war der Schriftsteller Alessandro Manzoni, der ab 1845 dort
täglich ein Bad nahm.
Das wichtigste Denkmal von DARFO BOARIO TERME ist, im Ortsteil MONTECCHIO,
die Chiesetta dellOratorio (Kirchlein des Oratoriums - auf Seite 8), das der Apsis
(mit einem Einzelbogenfenster aus dem 4.- 5. Jh.) der Pfarrkirche Santa Maria Assunta
(Mariä Himmelfahrt) gegenüberliegt. In unmittelbarer Nähe befindet sich die sogenannte
römische Brücke, ponte romano, mit ihrer gewagten Spannweite. Ihre derzeitige Struktur
aus Granit und simonischem Stein wurde von Francesco Cifrondi entworfen (1686).
Der Ortsteil ERBANNO, dessen historisches Zentrum sein antikes Aussehen vollständig
beibehalten hat, wird bereits auf der Strasse dorthin vom romanischen Kirchturm mit
Zweibogenfenster der Chiesetta San Martino angekündigt. Vom Kirchlein ist lediglich der
Friedhof mit seinem Eingangsportal in simonischem Stein aus dem Jahre 1465 und die Kapelle
mit Fresken aus einer Periode vor dem Künstler Pietro da Cemmo erhalten (Besichtigungen
sind zur Zeit wegen Renovierungsarbeiten nicht möglich).
Bei der Auffahrt zum Dorf trifft man auf den Palazzo Federici. Das Herrenhaus weist im
obersten Stockwerk zwei Dreipassfenster auf.
Weiter nördlich kann man in der Kirche Santa Maria del Restello des beginnenden 16. Jh.
eine Reihe von Fresken, ausgeführt zwischen 1530 und 1540 von Callisto Piazza, bewundern.
Zu erwähnen sind auch eine Mariä Himmelfahrt im Presbyterium ganz hinten, rechts ein Hl.
Georg mit der Prinzessin und links die Enthauptung des Johannes der Täufer.
Auf der Strasse nach Angolo Terme kann man kurz vor dem Ortsteil GORZONE links abbiegen,
um den Parco di Luine (Park von Luine) zu erreichen. Auf diesem Hügel wurden
prähistorische Felsgravierungen ausfindig gemacht (freier Eintritt, Montag geschlossen).
Auf der Aussenmauer der Pfarrkirche von Gorzone befindet sich der Sarkophag von Uson
Federici (1336).
Auf einer Anhöhe, nicht weit entfernt von diesem Ortsteil, war die Burg Castello
Federici, die um 1160 erbaut wurde, lange Zeit von strategischer Wichtigkeit. Türme und
Mauern sind nicht erhalten geblieben, und es bleibt heute der Eindruck eines eleganten
Wohnhauses.
Die Thermalquellen von ANGOLO TERME wurden zu Beginn des Jahrhunderts entdeckt und in den
fünfziger Jahren für touristische Zwecke erschlossen. Die Pfarrkirche San Lorenzo zeigt
sich reich an Holzskulpturen aus dem 18. Jh., wobei vor allem die Türflügel, an denen
fünfzehn Skulpturen Episoden aus dem Leben Christi erzählen, von der Schule des Fantoni
bewundernswert sind. Die Wallfahrtskirche San Silvestro, erbaut zwischen dem 16. und 18.
Jh. und gekennzeichnet von einem eleganten Bogengang, bietet einen herrlichen Ausblick auf
das Dorf und das gesamte Tal.
Bei der Rückkehr nach Darfo, stößt man, wenn man links zum Ortsteil
MAZZUNNO abbiegt, neben der Pfarrkirche auf die kleine Kirche San Rocco, die Fresken des
15./16. Jh. aus der Schule des Pietro da Cemmo enthält. Für Besichtigungen wende man
sich an den Pfarrer (Tel.: 0364/ 548062) oder an die Schwestern des nebenliegenden
Institutes.
Wenn wir von Darfo aus die Richtung nach Brescia einschlagen, kommen wir an GIANICO
vorbei. Auf dem darüberliegenden Berg bietet die Wallfahrtskirche Madonnina del Monte
(oder della Natività) eine weitläufige Aussicht. Die Kirche wurde im 18. Jh. an Stelle
des Kirchleins, das man 1536 in der Bitte um Schutz gegen die ständigen Überschwemmungen
errichtete, gebaut. Das Hauptaltarbild Mariä Geburt stammt von der Hand des Palma der
Jüngere.
In ARTOGNE ist die Kirche Santa Maria Elisabetta des 15./16. Jh. auf der antiken Via
Valeriana einen Besuch wert. Vor kurzem wurden die zur Zeit der Pest eingetünchten
Deckenfresken des Presbyteriums wieder zum Vorschein gebracht: Es handelt sich dabei um
das Ringen des Erzengels Michaels gegen die Macht des Bösen aus dem Jahr 1568. Im Schiff
sind weitere Fresken aus dem 16. Jh. ersichtlich. Sehenswert sind die Gemälde der Via
Crucis, die Giacomo Ceruti, Pitocchetto genannt, Autor eines anderen Gemäldes in der
Pfarrkirche, zugeschrieben werden.
Das ländlich anmutende Kirchlein SantAndrea (15. Jh.) zeigt einige Aussenfresken
aus dem 11. und 12. Jh. und im Inneren Votivfresken aus dem 15. Jh. Für Besichtigungen
klingele man an den Gittertüren der nächstliegenden Wohnhäuser.
PIAN CAMUNO rühmt sich eines ziemlich originalen Bauwerkes: Die Kirche Santa Maria della
Rotonda besitzt nämlich gegenüber dem Presbyterium eine von einer Säule aus simonischem
Stein getragene Laube. Von dort aus wohnten die Ordensschwestern hinter einem Holzgitter
den Gottesdiensten bei. Die Fresken aus dem 15. und 16. Jh. stammen aus der Schule des Da
Cemmo. Für Besichtigungen wende man sich an den Pfarrer, Tel.: 0364/ 591506.
Nicht weit entfernt bewahrt das Kirchlein Santa Giulia (15. Jh.) vom romanischen
Orginalbau eine Chorkapelle und den niedrigen und breiten Glockenturm.
In Richtung Dorfmitte hin erhebt sich an der Ecke eines grossen Gebäudes der quadratische
mittelalterliche Turm mit beidseitig abfallendem Dach.
AN DER PFORTE DER BRÜCKE
Die Brücke, die hölzern war, erlaubte den Zugang zur
vielleicht schon vor 1000 auf dem Monticolo bestehenden Burg und ihr Besitz war, sei es
wegen des Brückengeldes (sie besass nämlich eine Pforte), sei es wegen des in der Nähe
stattfindenden Marktes, sehr umstritten. 1168 wurde "vor der Pforte der Brücke von
Montecchio" der Friedensschwur der Bevölkerung von Borno, die eine Palisade
errichtet hatte, um den Fluss zum eigenen Vorteil umzuleiten, in Anwesenheit des Konsuls
von Brescia öffentlich geleistet. Im langwierigen Streit waren elf Menschen, darunter
fünf Valvassoren, umgebracht worden.
Ein kleines Schmuckstück von Malerei
Die Chiesetta dellOratorio (oder dei Morti, d.h.
der Toten) war ursprünglich die Eingangslaube zum Friedhof, auf dem die Opfer der
Überschwemmung, die 1471 das Dorf zerstörte, begraben waren. Im Nachhinein wurden die
Mauern errichtet, die mit Fresken aus der Schule des Pietro da Cemmo bedeckt wurden.
Im Mittelpunkt der Decke sieht man Christus umgeben von Aposteln und Evangelisten,
Kirchenlehrer, Märtyrer, Diakone, Beichtväter, Ordensbegründer und Patriarchen, zum
Eingang hin eine Muttergottes der Barmherzigkeit, die unter ihrem Mantel Betende
beschützt, auf der Gegenfassade und dem hinteren Bogen das Jüngste Gericht und an der
hinteren Wand eine Muttergottes auf dem Throne umgeben von einigen Heiligen. Eine
Fensteröffnung an der rechten Wand hatte die Beschädigung einer grossen Kreuzigung zur
Folge. Die Kirche ist gewöhnlich geöffnet. Für Auskünfte wende man sich an den Pfarrer
(Tel.: 0364/ 531385). |