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Schätze von wertvoll vergoldeten
Holzschnitzereien in sämtlichen Kirchen Im Grenzgebiet längs der antiken Valeriana, die seit der
römischen Epoche zu den Alpenpässen führte, bildete das Holz den Hauptbestandteil für
Generationen von Bildhauern, um monumentale Figurinszenierungen rings um die Altäre zu
schaffen
Den oberen Lauf des Oglio erreichte man bereits zur Zeit der Römer über die
Valerianastrasse, die von Brescia entlang dem Tal Valle Trompia und durch das Camonicatal
führt, sich in Vezza dOglio verzweigt und dann in Richtung Veltlin (Valtellina)
weiterläuft.
Heute gehen die Staatsstrasse
ss 42, die zum Tonalepass hinführt (diesen überschritt Kaiser Friedrich Barbarossa, um
nach Italien zu gelangen) und die Staatsstrasse 33, die zum Gaviapass führt, an PONTE DI
LEGNO vorbei. Das Grenzvolk in diesem Gebiet wurde von einem Venezianer aus dem 17. Jh.
folgendermassen definiert: "schlau, flink, entschlossen, wild, mutig und geschickt im
Umgang mit Waffen und somit fähig, es mit jeder Gefahr aufzunehmen".
Die Pfarrkirche von Ponte di Legno, der Santissima Trinità (Hl. Dreifaltigkeit) gewidmet,
wurde 1685 in barockem Zügen errichtet und besitzt einen Glockenturm aus dem 16. Jh. Der
Hauptaltar bildet einen monumentalen und kompakten Komplex mit eindrucksvollen Statuen aus
der Werkstatt des Domenico und Giovan Battista Ramus, Autor des Antependiums hingegen ist
Zotti. Bei diesem Altar handelt es sich um einen Moment höchster Reife im Schaffen der
Holzschnitzer des Tales.
In Richtung des Gaviapasses treffen wir auf weitere interessante Kirchen, die alle mit
Holzschnitzereien ausgestattet sind. In ZOANO ist die Kirche San Giovanni Battista
(Johannes der Täufer) im Stil des Settecento mit seinem Glockenturm aus sichtbaren
Steinquadern, mit Fresken von Corbellini und einer angrenzenden Totenkapelle
bemerkenswert. Weiter entfernt, in PRECASAGLIO, treten in der Pfarrkirche Santi Fabiano e
Sebastiano aus dem 17. Jh. auf dem Podium des Hauptaltars Statuen aus der Werkstatt des
Andrea Fantoni (1716) hervor. Das Podest des Madonnenaltars wird Giovan Battista und
Pietro Ramus zugeschrieben.
Eindrucksvoll aufgrund seines
Baus und seiner Lage unterhalb der Ortschaft PEZZO ist das Kirchlein SantApollonia
mit typisch alpinen Architekturformen. Es wurde nach 1000 errichtet und enthält in der
Apsis Fresken aus dem 16. Jh., welche so mancher jedoch sogar auf das 12. Jh. zurückgehen
lässt. (Für Auskünfte wende man sich während des Öffnungszeitraums an das Gasthaus
nebenan).
In TEMU zeigt die Pfarrkirche
San Bartolomeo (17. Jh., renoviert im 19. Jh.) eine Musterkollektion von
Holzschnitzereien. Das Antependium, der Tabernakel und die Soasa des Hauptaltars stammen
aus der Werkstatt des Giovan Battista Zotti; die Antependien der Hauptaltäre hingegen
werden Piccini zugeschrieben; links, auf dem Altar des Hl. Antonius ist das Wunder der
Hostie und rechts die Geburt Christi zu betrachten.
Zwischen den Ortsteilen
LECANÙ und VIONE, treffen wir bei einem angenehmen Spaziergang auf einem ebenen
Panoramaweg auf das Kirchlein SantAlessandro, das einen Glockenturm aus dem 13. Jh.
mit Biforen und Fensterchen besitzt.
Die Einwohner von VIONE wurden
von den anderen Talbewohnern scherzhaft "dottori" (Gelehrte) genannt.
Tatsächlich gründete hier 1460 ein Priester die ersten Schulen, die bis 1705 in Betrieb
waren. Der antike Ursprung der Ortschaft hat sich in der Auffindung einer langobardischen
Nekropole gezeigt. Karl der Grosse liess die Burg von Polagra, von der man behauptet, sie
besässe sechs Türme, zerstören, da sie ein Versteck für Heiden gewesen sei.
Die Pfarrkirche San Remigio
verwahrt die Hälfte einer romanischen Apsis (12./13. Jh.), die aus abwechselnd weissen
und grauen Steinquadern aufgebaut ist. Der derzeitige Bau geht auf das ausklingende 16.
Jh. zurück, sein Interieur besticht durch die Eleganz der spõtgotischen Formen. In der
Kirche werden ausserdem Gemälde aus dem 16./17. Jh. der langobardischen und venetischen
Schule, einige davon in kostbarer Ausführung, aufbewahrt; die Freske an der linken
Seitenwand stellt den Abt SantAntonio dar (16. Jh.). Das Retabel des Hauptaltars
(17. Jh.) ist ein Werk des Giuseppe Bulgarini, der Tabernakel und die seitlichen
Reliquiare sind von der Hand des Domenico Ramus, der Autor des Antependiums ist unbekannt.
Holzschnitzereien aus der
Werkstatt der Ramus befinden sich ausserdem in der Kirche San Giacomo ( Soasa von Giovan
Battista Ramus, 1645) in STADOLINA und in der Pfarrkirche San Gregorio Magno in CANE.
Die mächtige und
weitverzweigte camunische Familie Federici nutzte jede Gelegenheit, um die eigene Macht zu
verstärken und die Unabhängigkeit von Brescia zu erreichen und stellte sich in diesem
Sinne auf die Seite der Ghibellinen, die dem Kaiser Barbarossa Hilfe leisteten und somit
auf die Seite der Viskonten, die in Venedig um die Herrschaft über das Tal wetteiferten.
In VEZZA DOGLIO
verweilte vom 15. bis zum 17. Jh. ein "friedvoller" Zweig dieser Familie. Der
Palazzo Federici mag heute einen verwahrlosten Eindruck machen, doch auf der Bergstrasse
der Pfarre bemerkt man das schöne 1563 auf Anordnung von Pompeo Federici errichtete
Portal. Der Wohnsitz schloss eine zeitlang auch ein Kirchlein und einen mittelalterlichen
Turm (14. Jh.) mit ein. Letztere ist breit und niedrig, aus regelmässigen Granitquadern
bestehend, mit drei Rundbogenfenstern versehen und von einem Hinterhof aus ersichtlich.
Auf einer abstürzigen Stelle
längs der antiken Via Valeriana, die wir in einem kurzen Spaziergang zurücklegen,
befindet sich die Kirche San Clemente, die zu den ältesten im Tale (aus dem 12. Jh., im
16. Jh. renoviert) zählt und einen Glockenturm aus kantigen, unbearbeiteten Steinquadern
mit eleganten Zweibogenfenstern und einem Giebel in Pyramidenform aufweist. Am Rande des
Felsens sind Spuren eines früheren Pilgererhospiz sichtbar.
DIE HOLZSCHNITZEREIEN IM OBEREN TEIL DES TALES
Die camunische Holzskulptur kommt vor allem im oberen Tal zwischen dem 15. und 18. Jh.
zum Ausdruck und erreicht ihren Höhepunkt mit der Schule der Familie Ramus von Edolo, die
zwei Generationen von Bildhauern hervorbrachte (zwischen 1630 und dem Ende des 18. Jh.
waren diese sogar im Trentino tätig). Die ruhmvollsten Namen sind Giovan Battista Zotti,
Piccini und Andrea Fantoni (gebürtig aus Rovetta in der Provinz Bergamo). Als
erwähnenswert gilt auch Beniamino Simoni aus dem Valsaviore, der Autor des Kreuzweges in
Cerveno. Dank ihres Schaffens erwarten den Besucher sogar im abgelegensten Kirchlein des
Tales vergoldete Statuen, prunkvolle Altäre und barocke Ausschmückungen.
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