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Der tiefe Glaube führte zu Muttergotteserscheinungen und
Hexenvisionen Inquisitoren liessen zu Beginn des 16. Jh. Dutzende
von Scheiterhaufen errichten - In Sonico belohnte man den Edelmut eines Kreuzritters und
die Keuschheit seiner Frau - Die Fresken des Paolo da Cailina der Jüngere in der Kirche
San Giovanni Battista in Edolo
EDOLO befindet sich an der Kreuzung zwischen der Staatsstrasse ss 42, welche längs des
Oglio vom Tonalepass bis zum Sebino führt, und der ss 39, die zum Apricapass und nach
Valtellina (Veltlin) führt.
Hier gab es bereits zur Zeit
der Römer eine Poststation und im 8. Jh. erhob sich an jener Stelle ein Pfarrhaus, wo
heute die Pfarrkirche Santa Maria Nascente steht. Das Gebäude, welches aus einer
Umstrukturierung im 14. Jh. und verschiedenen Erweiterungen ab dem 17. Jh. hervorging,
enthält mehrere holzgeschnitzte Werke, unter anderem die dem Pietro Ramus zugeschriebene
Kanzel. Die ältesten Fresken befinden sich im Presbyterium, die linke Seitenwand zeigt
eine Darstellung von Maria im Tempel von Paolo da Cailina dem Jüngeren.
Im historischen Zentrum trifft man auf mehrere Herrenhäuser, wovon die Casa Zuelli in der
via Cesare Battisti 40 von grösstem Interesse ist und aufgrund ihrer äusseren Züge auf
das 16. Jh. zurückgeführt werden könnte, wobei gleichzeitig auch antikere
architektonische Eigenheiten im unteren Teil festgestellt worden sind, insbesondere ein
Kapitell mit drei fast barbarischen Figuren und einer wahrscheinlich gotischen Inschrift,
auf der das Datum 1350 erlesbar scheint.
Das bedeutendste Monument in Edolo ist die Kirche San Giovanni Battista (Johannes der
Täufer - auf Seite 25).
Begibt man sich von Edolo in Richtung des Apricapasses, gelangt man nach CORTENO GOLGI.
Auf einem Hügel neben dem Dorf befindet sich das Kirchlein San Martino Franco,
wahrscheinlich im 10./11. Jh. entstanden. In der Umgebung befinden sich Reste von starken
Mauern, die zuerst Teil einer befestigten Siedlung der Vorgeschichtsperiode waren und
später einer Burg angehörten. Die Aussenwand des quadratischen im 17. Jh. renovierten
Presbyteriums weist auf einen von Zweibogen charakterisierten Aufbau hin. Aufgrund der
unmittelbar bevorstehenden Renovierung ist eine Besichtigung des Inneren mit Freskenspuren
aus dem 15. und 16. Jh. und dem bossierten Steinplattenboden schwierig.
Auf der Staatsstrasse ss 42, in Richtung Süden, treffen wir links auf SONICO, die als
Zielstätte von Pilgerern dient. In der Wallfahrtskirche Madonna della Pradella (aus dem
15. Jh., jedoch zum Grossteil umgebaut) befindet sich eine hölzerne Statue der
Muttergottes auf dem Thron mit ihrem Kinde aus der zweiten Hõlfte des 16. Jh.
Im Ortsteil RINO befindet sich auf dem Piazza SantAntonio neben der Brücke ein
Turm, der wahrscheinlich auf eine Zeit vor dem Jahre 1000 zurückgeht, mit direkt
angebauten Häusern aus dem 13. und 14. Jh. Bemerkenswert sind das Rundbogenportal und das
Wappen darüber, welches das Datum 1742 aufweist.
Im Zentrum von MALONNO erhebt
sich an Stelle einer früheren Burg, der Palazzo Martinengo. Eine Legende besagt, dass der
Turm, der auf einem linken Eckstein das Jahr 1341 eingraviert trägt, als einziger Bau des
Dorfes einem alles zerstörenden Erdrutsch standhielt. Das Haus wurde von der Familie
Celeri im 16. Jh. errichtet und besitzt im Erdgeschoss einen Bogengang mit Säulen aus
Sarnico- Stein.
Etwas nördlich davon befindet sich der Turm Malisia (13. Jh.), der sich, da er vor
einigen Jahren durch einen Brand teilzerstört wurde, im Wiederaufbau befindet. Etwas
höher thront zwischen den dicht aneinanderliegenden Häusern der Torre Bona, der im
oberen Teil renoviert wurde. Weiter stromaufwärts befindet sich der Forno fusorio, eine
Eisenhütte, die bereits im 17. Jh. tätig war und bis zur zweiten Hälfte des 19. Jh.
Gusseisen herstellte.
Im Süden der Ortschaft, in etwas verschanzter Lage, zeigt sich die imposante Pfarrkirche
Santi Faustino e Giovita, die im Besitz zahlreicher Gemälde ist. Von herausragender
Bedeutung ist ein Werk, das eine Kreuzabnahme darstellt, dessen Zuordnung jedoch ungewiss
ist. Es werden Künstler wie Paolo da Cailina der Jüngere, Moretto oder Moroni in
Erwägung gezogen.
Auf dem Weg zum Tonalepass machen wir einen Umweg nach MONNO, wo wir die barocke
Pfarrkirche Santi Pietro e Paolo besichtigen, die den massiven Turm eines Bauwerkes aus
dem 15. Jh. beherbergt.
Die Kirche Santi Fabiano e Sebastiano aus dem 18. Jh. im oberen Teil des Dorfes besitzt
ein raffiniertes barockartiges Portal mit Skulpturen in hellem Vezza- Marmor.
In INCUDINE können wir ein merkwürdiges und eingehendes Zeugnis des Volksglauben
während dem 17., 18. und 19.Jh. entdecken. In der Sakristei der Pfarre San Maurizio sind
zahlreiche, San Vito gewidmete Weihgaben aufbewahrt, die von der Kirche SantAnna ,
welche auf einer Anhöhe von 1800 Metern am Fusse des Gipfels San Vito steht, stammen. Die
erhaltene Gunst zeigte sich auf vielerlei Weise: zurückgekehrte Herden, Überlebende bei
Epidemien, bei Überschwemmungen, bei umkippenden Karren und Krankheiten. Eine
Besichtigung ist nur mit Erlaubnis des Pfarrers möglich, Tel.: 0364/ 71511.
Die Intuition einer perspektivischen Darstellungsweise des Paolo da Cailina
Die Fresken des Paolo da Cailina der Jüngere im
Presbyterium der Kirche San Giovanni Battista in Edolo sind uns vollständig erhalten
geblieben. Die derzeitige Kirche ist aus einem Wiederaufbau zu Beginn des 16. Jh.
hervorgegangen. Der Maler soll hier angeblich um 1530-35 tätig gewesen sein. An der
hinteren Wand sehen wir in der Mitte eine grossartige Kreuzigung, rechts davon die Taufe
Christi und links die Enthauptung des Johannes der Täufer, im Gewölbe den Ewigen Vater
mit Heiligen und die Geschichte von Adam und Eva, an den Seitenwänden Geschichten des
Täufers, im Pfeilerbogen Sibyllen und Propheten. Die Figuren wurden vom Künstler in
dynamische Haltungen dargestellt und in ein geschicktes Spiel mit verschiedenen Ebenen der
Perspektive eingegliedert, die die architektonischen Volumen auf ausgewogene Weise
ausnützen.
DAS VERBRENNEN VON HEXEN WAR EIN GESCHÄFT
1510 kam der Bischof Paolo Zane zusammen mit dominikanischen Inquisitionsmönchen nach
Edolo, um etwa 60 Hexen zu verhören und zum Feuertod zu verurteilen; in Cemmo, Bienno und
Pisogne wurden mehrere Prozesse geführt. 1517 starben siebzig weitere Verdächtigte auf
dem Scheiterhaufen, und im darauffolgenden Jahr gab es nochmals eine Massenhinrichtung.
Die Beschuldigungen waren stets dieselben: Satansanbetung, Beischlaf mit dem Teufel,
ermordete und gefressene Kinder, geschändete Kadaver. Die Hexen trafen auf dem Tonalepass
mit Hexenbesen und verzauberten Pferden zusammen. Schliesslich sandte Venedig zwei
Bischöfe und einen Inquisitor ins Camonicatal, jedoch nicht um gegen die Hexen, sondern
gegen die Kläger zu ermitteln, die man der Gewinnsucht verdächtigte. In der Tat pflegten
diese, Hab und Gut der verbrannten Hexen der Kirche zu übergeben.
DIE KEUSCHE FRAU DES KREUZRITTERS
Der Ursprung der Wallfahrtskirche Madonna della Pradella wird auf eine Erscheinung der
Muttergottes zurückgeführt. Dies widerfuhr im August des Jahres 1100 dem Anführer der
camunischen Kreuzritter im Heiligen Land Lorenzo degli Adamini, Pagot genannt, und seiner
Frau Dominica delle Tisie di Mu, die aufgrund ihrer Keuschheit während der Abwesenheit
des Gatten als sehr lobenswert galt. Bei dieser Gelegenheit entsprang ebenfalls ein Quell,
dessen Wasser von den Gläubigen für heilsam gehalten wird. |