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Die vorgeschichtlichen
Bildstreifenschreiber und deren Felsgravierungen Eine Musterkollektion von hundersiebzigtausend Felsgravierungen aus dem
Camonicatal befindet sich im Park von Naquane - Die romanischen Kirchen San Siro und San
Salvatore in Capo di Ponte - Das Gemälde des riesigen Sankt Cristopherus von Andrista
CAPO DI PONTE befindet sich in der Mitte der Valle
Camonica, dort wo die Ansammlung von Felsgravierungen am geballtesten ist und gilt als
Ausgangspunkt der Evangelisation des Tales. Cemmo bildete den ersten Bevölkerungskern und
war im 13. Jh. der Hauptort der camunischen Verwaltung und Schmelzstätte des aus dem Tal
Val di Scalve kommenden Eisen.
Links vom Fluss Oglio, in der Ortschaft NAQUANE, befindet sich der Nationalpark der
Felsgravierungen- Parco nazionale delle incisioni rupestri-, der 1955 gegründet wurde und
unter der Leitung des camunischen Zentrums für prähistorische Forschung etwa hundert
bearbeitete und bemalte Felsen umfasst. Öffnungszeiten: vom 1. April bis 30. September
von 9 Uhr bis eine Stunde vor Sonnenuntergang; vom 1. Oktober bis 31. März von 9 Uhr bis
Sonnenuntergang. Montags (ausser an Feiertagen) geschlossen.
Solche Felsgravierungen sind im gesamten Camonicatal verstreut. Ihre Entdeckung verdankt
man Professor Lang, der 1908 den ersten der Felsblöcke von Cemmo - Massi di Cemmo -
ausfindig machte, wobei diese der Ortsbevölkerung bereits vorher bekannt waren und
"pitoli" ("Hampelmänner") genannt wurden.
Neben diesem ersten Fund befindet sich das Museo didattico d arte e vita preistorica
(freier Eintritt, täglich von 8.30 bis 12.30 und von 13.30 bis 18 Uhr geöffnet) Dieses
Museum für vorgeschichtliche Studien stellt experimentelle Rekonstruktionen
prähistorischer Gegenstände (Karren, Webstühle, Bohrwinden) aus, zeigt deren
Verwendungen vor und bietet dem Besucher an, sich in Spinnerei, Weberei und Bearbeitung
von Kiesel und Knochen zu versuchen. Über das Museum gelangt man zur Rekonstruktion eines
vorgeschlichtlichen Dorfes, wo das Leben der camunischen Ahnen vor 5000 Jahren nachgeahmt
werden kann. Auskünfte unter der Telefonnummer 0364/42148.
In Cemmo erhebt sich auf dem Ausläufer eines Felsen
die Pieve di San Siro. Diese Pfarrkirche bildet einen Meilenstein in der
romanischen Architektur der Gegend um Brescia (auf Seite 23).
Auf den Berghängen links vom Oglio befindet sich, halbversteckt von den Bäumen, das
Kloster Monastero di San Salvatore aus dem 11./12. Jh., ein Schmuckstück der
burgundischen Romanik in Italien, dessen achteckiger Vierungsturm mit seinen eleganten
Zweibogenfenster sich mit Erhabenheit und Würde erhebt. Im Inneren weist es drei
Längsschiffe, ein Querschiff, eine Zentralapsis und zwei kleinere und niedrigere Apsiden
auf. Nur die Seitenschiffe haben ihre ursprüngliche Decke beibehalten, während das
Mittelschiff mittlerweile ein Kreuzgewölbe besitzt. Auf den Kapitellen sind Raubvögel,
Hippogryphe, Sirenen und Pflanzenmotive eingemeisselt. Auf einer Kapitellseite der zweiten
linken Säule spielt ein Schlafender im Schatten einer Laube auf die biblische Szene von
Noah an. Das Kloster ist in Privatbesitz, Besichtigungen sind täglich von 9-12 und von
15-18 Uhr möglich.
In SELLERO ist die alte Pfarrkirche San Desiderio eine Besichtigung wert, sowohl wegen der
Umrahmung, die das Altarbild von Antonio Paglia umgibt, als auch wegen der Fresken aus dem
15. Jh. (eine davon befindet sich an der Aussenwand). Der Glockenturm ist aus dem 16. Jh.
und besass wahrscheinlich, schenkt man der Darstellung auf einer Freske aus dem 17. Jh. in
der früheren Kapelle San Rocco (Besichtigung nicht möglich) Glauben, einen Giebel.
Von Cedegolo fahren wir hinauf nach CEVO, wobei wir zuerst in den Ortsteil Andrista
gelangen, in dessen Friedhof sich die Kirche Santi Nazaro e Celso (im 15. Jh. errichtet
und im 17. Jh. umgebaut) befindet. Neben den Fresken von Giovanni Pietro da Cemmo ist der
riesige Sankt Christopherus bemerkenswert, der die Seitenwand in ihrer Höhe vollständig
ausfüllt. Für Besichtigungen wende man sich an das Lebensmittelgeschäft des Ortsteils.
In Cevo, ebenfalls von einem kleinen Friedhof umgeben, befindet sich das
romanische Kirchlein San Sisto, im 16. Jh. wiedererrichtet und im 19. Jh. renoviert, das
von den Zweigogenfenstern des Glockenturms charakterisiert ist.
Von Cevo kehren wir zurück ins Tal in Richtung BERZO DEMO. Die
Pfarrkirche von Berzo ist SantEusebio gewidmet und enthält ein Meisterwerk der
Holzschnitzerei, das man Pietro Ramus zuschreibt; am Retabel des Hauptaltars soll der
Schüler Giovan Battista Zotti mitgearbeitet haben. In DEMO erweckt auf einem Felsen
zwischen der Staatsstrasse und dem Fluss Oglio der dreieckige Glockenturm des Kirchleins
San Zenone aus dem 16. Jh. unsere Aufmerksamkeit.
DAS ALLTAGSLEBEN JENER "PITOTI"
Jahrtausendelang wurden diese in Felsen eingeritzen
Figuren von Erde und Moos versteckt gehalten. Seit den ersten Jahrzehnten unseres
Jahrhunderts wurden ungefähr einhundersiebzigtausend "prähistorische" Figuren,
welche acht Jahrtausende der camunischen Geschichte erzählen, entdeckt.
Die ersten Zeichen menschlicher Anwesenheit gehen auf die Nachzeit der letzten Vereisung
zurück. Vor ungefähr zehntausend Jahren fand sich hier ein Jägervolk ein, welches vor
allem von den Elchen und den Hirschen angezogen war, woraus man daraus schliessen kann,
dass diese beiden Tiere die vorherrschenden Motive der ältesten Gravierungen sind. Dieser
_urcamunischen" Phase soll eine Periode gefolgt sein, in welcher das Tal,
wahrscheinlich aufgrund eines weniger freundlich gewordenen Klimas, verlassen wurde. Um
6000 v. Chr. (Neolithikum) beginnt die zweite Phase, in der Landwirtschaft betrieben wurde
und die Zeichnungen schematischer, abstrakter und symbolischer werden und Darstellungen
von Betenden und von Sonnenscheiben vom religiösen Empfinden der Siedler zeugen. Mit der
dritten Phase zwischen dem 4. und dem 2. Jh. v. Chr. treten monumentale Kompositionen,
Menhirstatuen, bei denen die Sonnenscheibe oft den Kopf ersetzt, symbolische Gegenstände
(Halsbänder, Messer und Schmuckstücke) im Mittelteil und Szenen aus dem Alltagsleben im
Unterteil der Felsen auf. Die letzte Phase entspricht der Periode von der Eisenzeit bis
zur römischen Eroberung. Es werden Krieger und Kampfszenen, aber auch Hütten, Szenen der
Feldarbeit und vierrädrige Karren dargestellt.
Die älteste Kirche des Tales
Dort wo die Pfarrkirche San Siro
thront, stand einst ein römisches Bauwerk, von dem einige Fragmente beim Bau der Kirche
miteingegliedert worden sind, und davor befand sich hier eine prähistorische befestigte
Siedlung. Der langobardische Ursprung der Kirche (8.Jh.) ist aus der Widmung an den Hl.
Sirus, Patron der Hauptstadt des Langobardenreiches Pavia, erschliessbar. Zu den
wissenschaftlichen Theorien kommen die Legenden hinzu, die die Kirche als die älteste des
Tales ausgeben und die Gründung dem Hl. Sirus (4. Jh.) bzw. Karl dem Grossen (8. Jh.)
zuschreiben.
Der derzeitige romanische Bau geht auf das 11./12. Jh. zurück und wurde bei der
Errichtung des Glockenturmes im 15. Jh. renoviert. Die Kirche besteht aus drei Schiffen,
die von weissen Vezza-Marmorsäulen getrennt sind und die in drei miteinander verbundene
Apsiden enden. An den Seitenwänden und in der Zelle vor der Krypta sind Fresken sichtbar.
Der Eingang befindet sich im Süden und zeigt in seiner Ausschmückung sich wiederholende
Tier- und Pflanzenmotive. Am Fusse der Mauern findet man auf je einer Seite des Portals
den Löwen und das Lamm als Sinnbilder der Stärke und der Bamherzigkeit vor. Seit
November 1997 sind Konsolidierungsarbeiten im Gange, die den Eintritt ins Kircheninnere
unmöglich machen.
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