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Hölzerne Figuren erzählen den Leidensweg Christi

Die Wallfahrtskirche von Cerveno verwahrt 14 Stationen des Meisterwerkes, das die Holzschnitzerei im Camonicatal im 18. Jh. hervorbrachte - Die Fresken des Romanino in der Kirche Sant’Antonio von Breno und die Legende des Sant’Obizio in Niardo.

Zur Bewachung von BRENO und des gesamten Tales diente seit undenkbaren Zeiten das Castello, jene Burg, in deren Überresten man Mauerwerke aus verschiedenen Epochen, vom 12. bis zum 16. Jh., erkennen kann. Die Anhöhe wurde bereits in einer äusserst weit zurückliegenden Epoche besiedelt. Im Burghof wurden, in einer sehr tiefen Ablage, Reste ausfindig gemacht, die auf die Altsteinzeit, also ungefähr auf 9000 Jahre v.Chr. zurückgehen: es handelt sich um die ältesten Spuren menschlicher Wesen im Camonicatal. Aufgrund der Fundamente kann man bezeugen, dass bereits vor dem Jahre 1000 hier das Kirchlein San Michele stand. Für Besichtigungen wende man sich an Pro Loco, Tel. 0364/ 22970.
Das Wüten der Pest im Jahre 1630 veranlasste zum Weissen sämtlicher Wände, sodass die Gemälde der Kirche Sant’Antonio abate in Berührung mit dem Kalk kamen, was den Verlust der Fresken im Mittelschiff zur Folge hatte, während jene im Presbyterium jedoch verschont blieben. Die Wandfresken des Romanino (1535) sind lediglich in Fragmenten erhalten geblieben, trotzdem ist seine erzählerische Lebhaftigkeit und der Hang zum extravaganten Detail aufs Beste erkenntlich. Die Fresken des Kreuzgewölbes stammen aus der vorhergehenden Epoche und zeigen Evangelisten und Kirchenlehrer. Aussen bildet das mit Verzierungen und Fresken behaftete Portal aus rotem Sandstein einen Blickfang.
Für Besichtigungsgelegenheiten der Kirche ist die Delikatessenhandlung nebenan zuständig. Für weitere Auskünfte wende man sich an die Gemeinde, Tel. 0364/ 22041.
In der naheliegenden Parrocchiale di San Salvatore, eine prunkvolle Barockpfarrkirche, sind bedeutende Gemälde, so zum Beispiel die Heilige Unterredung des Romanino oder Heilige Maria und Heilige Anna des Moretto, aufbewahrt. Die Tafel des Hochaltars zeigt ein Verklärung Christi von Palma dem Älteren, die geschnitzte Figurengruppe auf dem rechten Seitenaltar stellt die Klage Christi von Beniamino Simoni (18. Jh.) dar. Man lenke seine Aufmerksamkeit ausserdem auf die Casa parrocchiale, die Fassade dieses Pfarrhauses ist von einem Zweibogenportal aus dem Mittelalter oder sogar aus der Langobardenzeit gekennzeichnet.
Weitere interessante Kirchen in Breno sind die alte Pfarrkirche San Maurizio im Stil des Cinquecento mit einer angrenzenden Totenkapelle und die Kirche San Valentino mit einem Renaissanceportal und Fresken aus 1500, die man dem Meister aus Nave, und anderen aus dem Jahre 1484, die man Giovanni Pietro da Cemmo zuschreibt.
Auf der Strasse nach Edolo stossen wir auf die Abzweigung nach NIARDO, wo etwas abgelegen, im oberen Teil des Dorfes, die Kirche zum San Giorgio liegt, die man über einen kurzen Spaziergang erreichen kann. Der Kirche aus dem 15. Jh. wurde erst im 18. Jh. das Kirchenschiff und im 19. Jh. das Portal hinzugefügt. Auf der linken Wand des Presbyteriums findet man zwei Fresken vor, die man auf 1486 zurückgehen lässt und dem Maestro Erratico von Bienno zuschreibt: Sankt Obizius und Mutter der Barmherzigkeit. Darunter befinden sich auch Fresken aus dem Jahr 1560, andere, auf der rechten Seitenwand, sind vielleicht Werk des Meisters von Nave. Für Besichtigungen wende man sich an den Pfarrer, Tel.: 0364/ 330160.
Über Braone erreichen wir CETO. Der Ortsteil NADRO wird vom Turm der palastartigen Burg geprägt.
Das Haus Vivarini aus dem 17. Jh. beherbergt das Museo preistorico, welches Exkursionen zu Fuss zu den Felsgravierungen hier in dieser Gegend organisiert. (Öffnungszeiten: 9-12 und 14-17 Uhr, Vormerkungen unter der Telefonnummer 0364/433465).
Bei der Auffahrt nach CIMBERGO kann man das eindrucksvolle Schloss bewundern, das im 18. Jh. von einem Brand zerstört wurde: die Ruinen lassen noch drei Schlossmauern, Spuren der Ringmauer, die bis ins Dorf hinabging, und das Spitzbogenportal aus weissem Granit erkennen.
Auf der gegenüberliegenden Hangseite des Tales ist CERVENO gelegen, wo man eines der wichtigsten Monumente des Camonicatales besichtigen kann: die Wallfahrtskirche des Leidensweges, Santuario della Via Crucis (siehe Abbildung unten).
Am oberen Ende der freien Kirchentreppe gelangt man durch eine Tür rechts direkt zur Parrocchiale di San Martino di Tours mit dem grossartigen Deckengemälde von Andrea Celesti: Tod des Sankt Martin und Triumph seiner Seele. Die Seitenwände der Pfarrkirche tragen Spuren von Fresken aus dem 15. Jh., bemerkenswert sind ausserdem Schnitzereien von Andrea Fantoni. Eine besondere Sehenswürdigkeit bildet ein Leichengerüst aus dem 17. Jh. in einer rechten Seitenkapelle, das man während der Gedenkgottesdienste für Verstorbene in der Mitte des Kirchenschiffes aufstellte. Im angrenzenden Oratorium della Madonna del Carmine sind vor kurzem Fresken aus dem 15. und 16. Jh. mit interessanten dialektalen Aufschriften ausfindig gemacht worden.
Auf der Rückfahrt nach Breno zweigen wir nach LOSINE ab, wo man am höchsten Punkt des Dorfes auf die Kirche Santa Maria del Castello trifft, die im 12. Jh. entstanden ist und aus dieser Zeit eine romanische Apsis und einen Kappenturm beibehalten hat. Im Inneren ist das Fresko des Pantocrator sehenswert, ausserdem erweckt eine kleine Votivfreske aus dem 17. Jh., die einen Brand darstellt, unsere Neugierde.

DIE XIV. STATION DES KREUZWEGES

Jene Klage Christi auf dem zweiten Rechtsaltar wird von einem Gitterwerk aus dem 18. Jh. geschützt und ist in Wirklichkeit die vierzehnte Station des Kreuzweges Via Crucis di Cerveno (siehe weiter vorne im selben Reiseführer). Der Autor, Beniamino Simoni hatte sein Werk den Bewohnern von Cerveno niemals übergeben, vielleicht aufgrund einiger Uneinigkeiten über den Lohn oder über die künstlerische Anlage in der Kirche. Zuerst war es in der Kirche San Maurizio in Breno untergebracht, daraufhin ging, bei einer Zergliederung der Gruppe, ein Teil in die Kirche San Salvatore über, wo sie vor kurzem schliesslich vervollständigt wurde.

DER KAMPFESMÜDE SANKT OBIZIUS

Obizio da Niardo nahm mit dem Pater Graziadio an der Schlacht von Malamorte (7. Juli 1191) teil. Bei dieser starben etwa zehntausend Bergamasker und Cremoneser, zum Grossteil durch Ertrinken beim Überqueren des Flusses Oglio über eine Schiffsbrücke. Obizio, wie durch ein Wunder gerettet, führte infolgedessen ein reuevolles Leben in Niardo mit vier Kindern und seiner Frau, welche ihm schliesslich erlaubte, seiner Berufung zu folgen. Er zog sich ins Brescianer Kloster Santa Giulia zurück, wo er 1204 begraben wurde. Als das Kloster zu Ende des 18. Jh. aufgelöst wurde, wurde sein Körper auf Schultern bis nach Niardo getragen.

Die geschnitzte Passion Christi

Die Wallfahrtskirche Santuario della Via Crucis in Cerveno schliesst die Kapellen seitlich von einer Freitreppe mit ein und bildet ein einziges Bauwerk, dessen Fassade auf den kleinen Dorfplatz blickt. Es handelt sich um eine einzigartige Ehrfurchtsbezeigung eines durch den Bergbau und das Hüttenwesen reich gewordenen Volkes. Die Stationen des Leidensweges werden von Holz- und Gipsschnitzereien (198 Statuen), ein Werk (1752-64) von Beniamino Simoni da Saviore mit Eingriffen (1764) von Donato und Grazioso Fantoni versinnbildlicht. Die sich in der Kirche befindende Station wurde 1869 vom Mailänder Selleroni angefertigt. Die Wandfresken sind von Scotti und den Gebrüdern Corbellini.


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