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Die Farben der Versprechen an Gott in den mittelalterlichen Kirchen

Santa Maria in Favento: eine kleine Kirche, gross geworden durch den Glauben des Volkes, welches dort die Wände mit Gemälden geschmückt hat - Nigoline: englische, armenische und rumänische Namen auf den Adelsgräbern, die sich um die Fresken von Floriano Ferramola befinden

Im 13. Jh. erbaute man eine Burg zur Bewachung der Ortschaft PARATICO, die von grosser Wichtigkeit war. Auf der Spitze eines kleinen Hügels, rechts von der Strasse nach Capriolo, sind ihre Überreste von weitem sichtbar. Die Legende will, dass 1311 die Ortsherrn Lantieri hier dem Dichter Dante Gastfreundschaft erwiesen. Damals machte die Burg einen wohl bedrohlicheren und imposanteren Eindruck als heute: die Ringmauer war umfangreicher, so dass sogar der gut erhaltene Turm zwischen den Häusern unterhalb des Hügels miteingegliedert war. Die Burg besass lediglich drei Wohnräume und diente ausschliesslich der Verteidigung, nicht als Residenz.
Die Familien Lantieri, Ochi und Paratico bildeten im Mittelalter den Adel von CAPRIOLO. Die Burg wurde vor dem Jahre 1000 erbaut, um die Grenze der Provinz Brescia am Fluss Oglio gegen die Bergamasker zu verteidigen, ab dem 17. Jh. war sie ein Nonnenkloster. Ihr ursprünglich defensiver Charakter ist heute nicht mehr erkennbar, höchstens aufgrund ihrer gewaltigen Grösse, mit der sie das Dorf überragt. Das Erreichen der Burg erfordert einen sich der Kletterei nähernden Spaziergang längs des steilen Schlossweges: dabei begegnet man eleganten Herrschaftshäusern aus dem 16. Jh. und älteren, mächtigen Bauten aus ungeschliffenem Stein mit massiven, aus lokalen Baustoffen, wie dem grünen Stein von Sarnico, hergestellten Portalen.
Im unteren Teil des Dorfes thront die im 19. Jh. erneuerte Pfarrkirche Parrocchiale di San Giorgio, in deren Innerem eine vor kurzem restaurierte Auferstehung des Romanino ins Auge fällt (in einer Kapelle rechts). Erwähnenswert ist auch das Werk Märtyrertod der beiden Heiligen Gervasius und Protasius von Callisto Piazza.
Das Rathaus von ADRO ist im Palazzo Bargnani Dandolo (17. Jh.) untergebracht, welches im 19. Jh. Persönlichkeiten wie Cavour, Boito und Verdi zu seinen Gästen zählte. Das angrenzende Kirchlein Chiesetta Bargnani zeigt aussergewöhnlich elliptische Formen auf.
Die Wallfahrtskirche Madonna della Neve im Ortsteil TORBIATO wird zu den Meisterwerken des Architekten Abt Gaspare Turbini (18. Jh.) gezählt. Es handelt sich um einen Zentralbau mit Kuppel und ersetzt ein früheres Kirchlein, welches in Erinnerung an die mirakulöse Erscheinung der Muttergottes an einen Taubstummen errichtet worden war.
Den kleinen, aber wertvollen Kunstschatz der Ortschaft bilden die Fresken im Wallfahrtskirchlein Santa Maria in Favento (siehe Abbildung).
Die vier Ortsteile Timoline, Borgnato, Nigoline und Colombaro bilden den weitläufigen Talkessel CORTE FRANCA, in dem dank der umliegenden schützenden Hügel ein mildes Seeklima vorherrscht. Hier trifft man zwischen Weinbergen Villen und Paläste des Adels aus der Gegend an, die im 16., 17. und 18. Jh errichtet wurden. In BORGONATO befindet sich der Palazzo Lana-Berlucchi aus dem 16. Jh., der aus zwei Gebäudeblöcken und einem eleganten, von der Strasse aus ersichtlichen, Laubengang besteht; 1497 hielt sich hier die zypriotische Königin Caterina Cornaro auf, die an ihrem Hofe die bedeutendsten Literaten der Epoche versammelte.
Auf den Hängen einer Anhöhe, im Friedhof von NIGOLINE, befindet sich die Kirche Sant’ Eufemia (vor dem Jahre 1000 errichtet und im 15. Jh. erneuert), die ursprünglich von der Pfarre von Iseo abhängig, dann aber Hauptpfarrkirche von Nigoline war. Die Renovierungsarbeiten befinden sich in der Endphase. Die Wandfresken sind Beweise der raffinierten Kunst von Floriano Ferramola: in der Apsis betrachte man Ausschnitte aus dem Leben und Märtyrium der Hl. Euphemia. Diese Heillige erscheint im zentralen Fresko zwischen dem Bischof St. Martin und einer weiteren Figur, wahrscheinlich dem Diakon Sankt Lorenz oder Sankt Faustinus. Andere antikere Fresken sind 1702 vom seltsamen Verputz einer Restaurierung barocken Geschmackes verdeckt worden. Auf Adelsgräbern im Kirchenschiff sowie auf dem Friedhof liest man Namen englischer, armenischer und rumänischer Aristokraten, die hier von ihren internationalen Verwandtschaften, von den Baronen Monti della Corte und den Grafen Zoppola, bestattet wurden.

Das lange Pferd und der Marmormantel

Das Kirchlein Santa Maria in Favento mag heute verlassen scheinen am nordöstlichen Ortsrand, doch hier führte einst die römische Konsulatsstrasse in die Valle Camonica vorbei. Der Bau geht auf 1200 zurück und misst in der Breite knappe vier, der Länge nach zwölf Meter, doch die einfache Harmonie seiner architektonischen Formen und der farbliche Effekt der Fresken verleihen ihm eine unglaubliche Erhabenheit. Von den Fresken (15. und 16. Jh.) ist in künstlerischer Hinsicht jene des Triumphbogens am bedeutendsten (Verkündigung und Dreifaltigkeit). Am eindrucksvollsten erscheint jedoch das Gemälde Sankt Georg den Drachen tötend in beinahe byzantinischem Stil (könnte auf das 14. Jh. zurückgehen) mit jenem weissen Schlachtross von disproporzionierter Körperlänge, wodurch der Künstler die Bewegung des Laufens verdeutlichen wollte, und der flatternde und trotzdem starr anmutende Mantel, der aus Marmor zu sein scheint.
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