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Mittelalterliche Architektur inmitten des Hügellandes

Eine halb mittelalterlich, halb renaissanceartige Atmosphäre herrscht in den Strassen von Erbusco - Adelssitze in den Befestigungsanlagen in Calino und Bornato - Moränenkieselsteine in den Mauern der quadratischen Burg von Passirano

Die Bauwerke im Zentrum von ERBUSCO geben dem Besucher ein Gesamtbild wieder, das deutlich an die zwei Vergangenheiten des Dorfes erinnert: jene mittelalterliche um die Parrkirche Pieve di Santa Maria (siehe Abbildung) und jene der Renaissance zwischen der Kirche und der eindrucksvollen Villa Lechi; in diesem Teil befindet sich ebenfalls die majestätische Pfarre aus dem 18. Jh.
Das andere Schmuckstück in Erbusco ist die Villa Lechi, die man um die Jahrhundertwende zwischen dem 16. und dem 17. Jh. in einem sich zaghaft an Palladio erinnernden Stil errichtete. Der u-förmige Laubengang und die darüberliegende Loggia umschliessen den typisch italienischen Garten. Dieser dehnte sich einst bis zum Gittertor aus, das sich heute jenseits der Strasse anfangs der Neigung zum Flachland befindet. Das Gebäude wurde um 1830 umgebaut.
In der Gegend von CAZZAGO SAN MARTINO trifft man weitere Herrensitze an. In CALINO baute die Familie Calini im 16. Jh. mehrere Wohnsitze, die später an die Familie Maggi übergingen. Der grösste und von weitem aufgrund seiner Majestät ersichtliche Bau (Palazzo grande Calini-Maggi) wird von den starken Mauern eines früheren Verteidigungsgebäudes, zum Teil aus dem 14. Jh., gestützt. Der Palast wurde zum Treffpunkt der Autosportchampions zur Zeit der Mille Miglia (Tausend Meilen- Rennen), wobei sich Ayme Maggi als Pionier erwies.
Im Zentrum des Ortes befindet sich der kleinere Sitz Palazzo piccolo Calini- Maggi della Gradella in schlichten Renaissancezügen. Diese Villen können nicht besichtigt werden. Um sich vom Inneren der Calini-Residenzen dennoch ein Bild zu machen, wenn auch in widersprüchlichlichem Ambiente, begibt man sich am besten in das nahe Pfarrhaus (einst Palazzo del Cedro), um den grossen Kamin und die schlecht erhaltenen, aber gut erkennbaren Deckenfresken in perspektivischer Darstellung von Pietro da Marone (1601), darunter Szenen aus dem Leben der Kleopatra, zu betrachten.
Im naheliegenden Ortsteil BORNATO befindet sich das Castello di Bornato, welches ein äusserst rares Beispiel einer Renaissancevilla (16. Jh.) innerhalb einer mittelalterlichen Burg (13. Jh.) bietet. Die Hochburg tritt somit der Villa seine Vorherrschaft ab und gewinnt gleichzeitig an Eleganz. Die Geschichte dieses Ortes verliert sich in den Jahrhunderten: zuerst römische Festungsanlage längs der Konsulatsstrasse nach Bergamo; 1270 verstärkte Inverardo da Bornato die Burg mit einem 300 Meter langen Mauerring mit Zinnen, Türmen, Burggraben und Zugbrücke; 1436 leitete Antonio Martinengo, Feldherr aus Brescia im Dienste von Venedig, von hier aus die Kampfhandlungen, die zum Sieg über die Mailänder Truppen führten. 1526 wurde die Burg der Familie Gandini übergeben, deren Wappen sich am Eingang befindet. Ihr verdankt man den Bau der Villa, in deren Säle Fresken aus dem 17. und 19. Jh. bewundert werden können.
Die Burg ist seit kurzem der Öffentlichkeit zugänglich und kann von Ostern bis November an Sonntagen und anderen Feiertagen von 10 bis 12 und von 14.30 bis 18 Uhr besucht werden. Auskünfte unter der Nummer (Tel. und Fax) 030/ 725006.
Nicht weit entfernt liegen die eindrucksvollen Uberreste der um 1000 entstandenen Pieve di Bornato. Die Pfarrkirche wurde im 18. Jh. umgebaut und danach vernachlässigt.
Gleich bei der Ankunft in PASSIRANO trifft man auf das Castello
, eine gut erhaltene Burg (14.Jh.) mit einem massiven quadratischen Turm, eingeschlossen von vier hohen und soliden Maürn aus sichtbaren Steinquadern und grossen Kieselsteinen, der statt Fenstern nur einige schmale Schiessscharten aufweist. Die Zinnen verdankt man der Renovierung im 19. Jh., bei der ausserdem die alten Hütten der Bevölkerung in Stallungen, Schuppen und Behausungen für die Bediensteten umgebaut wurden.

SECHZIGJÄHRIGE SCHMÄHUNG

Das Wahren von antiken Bauwerken in ihren Orginalformen wird oft als Periode des Verfalls bezeichnet, in der die Mittel zum Wiederaufbau, zur Erweiterung und Renovierung fehlen. Bisweilen wird aus Verfall Entwürdigung, die Bauwerke erleiden Demütigungen und Schmähungen. Zu Beginn des 18. Jh. gab die Pfarrkirche von Erbusco ihre Funktion als Pfarre der Ortschaft auf, 1870 erst stellte sich der Gottesdienst ein. Sie trat in den Gemeindebesitz ein, wurde zuerst in ein Theater umgewandelt und anschliessend auf ein Magazin, einen Pferdestall, eine Ablage für Düngemittel herabgewürdigt. Während des ersten Weltkrieges beherbergte sie gar die österreichischen Gefangenen. Erst 1928 wurde die Kirche schliesslich der "Oberintendenz von mittelalterlicher und moderner Kunst" anvertraut, die erste Teilrenovierungen vornahm.

Der unverwechselbare Stil des Gentile da Fabriano

Die Pieve Santa Maria, im13. Jh. in romanisch-gotischem Stil wiederaufgebaut, zeigt sich von aussen mit der aus weissen, präzis gehauenen rechteckigen Quadern bestehende vieleckige Apsis (neun schmale von Halbsäulen getrennte Seiten), die die halbrunde Innenapsis umgibt. Fragmente eines Chorschrankes aus grauem Sandstein aus Sarnico geschmückt mit Blumen- und zwei Tiermotiven in vorromanischem Stil (9.-10. Jh.), zeugen von den frühen Ursprüngen der Pfarre; die Kapitelle sind gotisch. Den Umbauten von 1408 folgte eine Ausschmückung mit Fresken, wovon einige - angesichts der architektonischen Hintergrundeinrahmungen- der Schule des Gentile da Fabriano zugeschrieben werden. Dieser war als Maler auch in Brescia und gerade in jenen Jahren der kurzen Stadtherrschaft von Pandolfo Malatesta dort tätig. Einige der behandelten Themen: Muttergottes mit dem Kinde, Verkündigung, Hl. Ursula, sowie ein Sankt Nazarius, unterzeichnet von Venturino Pontoglio (1524). Bemerkenswert auch eine grob bearbeitete Madonna aus Sandstein.

EIN ZUFLUCHTSORT IN GEFAHR

Man führt die Ursprünge der Burg von Passirano - wie die so vieler anderer hier und da verstreut - auf die Notwendigkeit zurück, sich gegen die Überfälle der Ungarn verteidigen müssen. Horden von Eindringlingen und Plünderern aus dem Osten wüteten in allen karolingischen Gebieten, darunter Italien, von 898 bis zum Jahre 955; Jahr, in dem sie von Kaiser Otto I. in Lechfeld bezwungen wurden. Brescia, das im Jahr 935 überfallen wurde, leistete mutig Widerstand. Möglicherweise, es sind jedoch keine Beweise vorhanden, sind die Ungarn bis in die Franciacorta vorgestossen. Die Burg ist ein typisches Beispiel einer "Gemeinschaftsunterkunft", wo die Bewohner von Passirano über Jahrhunderte hinweg Zuflucht in Augenblicken der Gefahr fanden.


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