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Wachburgen entlang der Wasserstrasse

Von hier stieg im 12 Jh. Kaiser Friedrich Barbarossa hinab, um die Freiheit der Gemeinden zu gefährden, indem er die gewaltigen Burgen, denen Brescia die Verteidigung dieser Gegend anvertraut hatte, überfiel - Der rege Handel des Hafens Iseo bis 1900

Seit dem prähistorischen Zeitalter ist ISEO über Jahrtausende hinweg ein wichtiger Handelshafen gewesen, auch nach 1850, als die Küstenstrasse des Sebino eröffnet wurde; 1875 passierten hier 80 % des Getreides, das für das Tal Valle Camonica bestimmt war. Der Hafen - den einst Leonardo da Vinci als unumgänglichen Übergang des Kanals Brescia-Bergamo bezeichnete - büsste nach der Eröffnung der Eisenbahn an Wichtigkeit ein.
Die Häuser mit den Laubengängen, die die Piazza Garibaldi umgeben, zeugen vom Arbeitseifer in dieser Hafengegend. Das Rathaus, das Municipio (1830), ist Werk des klassizistischen Architekten Rodolfo Vantini. In unmittelbarer Nähe befindet sich das Arsenal, ein mittelalterliches Bauwerk, das heute Sitz von Kunst- und Kulturausstellungen ist.
Die Via Mirolte führt zum Castello Oldofredi
, welches 1161 bereits bestand, als es in Brand gesteckt wurde vom Staufenkaiser Friedrich I., dem berühmten Barbarossa, der entlang dem ghibellinischen Camonicatal nach Italien hinabzog und dabei allen Widerstand des gülfischen Brescia niederschlug. Die gegenwärtige Struktur der Burg geht auf das 14. Jh. zurück; ursprünglich schloss die Ringmauer einen kleinen Hafen mit ein, sie weist ausserdem einen Burggraben auf. Die betürmte Festung verlor einen beträchtlichen Teil ihres stolzen Aussehens während der zwei Jahrhunderte (1585 bis 1797), in denen sie ein Kapuzinerkloster war; derzeitig ist hier der Sitz der Stadtbibliothek.
Die Pfarrkirche Pieve di Sant’ Andrea, laut Legende im 6.Jh. vom Bischof San Vigilio auf den Fundamenten eines römischen Tempels erbaut, wurde im 12. Jh. in typisch lombardischem Stil wiedererrichtet. Sie wurde bis zu Beginn des 19. Jh. mehrmals ausgebaut und sodann vom klassizistischen Architekten Rodolfo Vantini im Inneren völlig erneuert. Der aussergewöhnlich hohe Glockenturm in der Mitte der Fassade, der angeblich "schönste romanische Campanile der gesamten Gegend, in ausgezeichnetem Comeser Stil", ist jedoch in seinen originalen Formen erhalten geblieben. Die Comeser Meister, die wahrscheinlich aus der Gegend von Como stammten, waren zuerst in der Lombardei und danach in ganz Europa vom 7. bis zum 11.Jh. tätig und wahrten somit das spätromanische und frühchristliche Bauerbe. Rechts vom Portal ist der 1325 verstorbene Giacomo Oldofredi in einem gotischen Sarkophag aufgebahrt. Im Inneren befinden sich interessante Werke von Angelo Inganni (Fresken) und Francesco Hayez (Erzengel Michael) aus dem 19. Jh.
Für Auskünfte über Iseo wende man sich an das Tourismusbüro, Lungolago Marconi 2, Tel. 030/ 981361
Das südliche Ufer des Sebino führt zur Ortschaft CLUSANE, beherrscht vom eindrucksvollen Gebäude, das
Castello del Carmagnola genannt und von einer eleganten Loggia und Resten von Aussenfresken charakterisiert wird. Die Burg war im Besitz der Oldofredi und wurde 1429 von Venedig dem Grafen von Carmagnola gegen geleistete Dienste an die sogennante Serenissima (Republik Venedig) übergeben. Das gegenwärtige Aussehen nahm die Burg im 16. Jh. ein, als die Zinnen abgetragen wurden.
Auf dem Rückweg von Clusane nach Iseo biegen wir ab in Richtung Timoline, um von dort die Strasse zum Bahnhof PROVAGLIO D’ISEO einzuschlagen. Dabei fährt man entlang der Torfgruben (Torbiere) und erblickt gleich zu Beginn das Kloster
San Pietro in Lamosa (siehe Abbildung unten), dessen Kirchplatz einen Ausblick auf mehrere von Röhrichten umgebenen Wasserspiegeln ermöglicht.
Ein (anstrengender) Spaziergang zur Wallfahrtskirche Madonna del Corno auf dem Berg oberhalb von Provaglio (aus dem 16. Jh. mit zeitgenössischen Fresken zur Zeit in Restaurierungsarbeit), die laut Legende von einem kriegsmüden Soldaten errichtet wurde, erlaubt, die Torfgruben und den gesamten Moränengürtel von oben zu betrachten. Für Auskünfte bezüglich der Besichtigungen (Vormerkung möglich) wende man sich an Cai unter der Telefonnummer 030/ 9823017.
Das östlich Ufer des Sebino, das im Vergleich zum gegenüberliegendem grünere und anmutigendere Hänge zeigt, wurde, besonders im 16. Jh., von zahlreichen Adelsfamilien Brescias als Sommerresidenz geschätzt. Dabei galt eine besondere Vorliebe der Ortschaft SALE MARASINO, wo man verschiedene Herrensitze vorfindet.
Es fällt vor allem die Villa Martinengo Villagana auf, die auf den See blickend der Insel Montisola gegenüberliegt und als der ansehnlichste Wohnsitz der gesamten Gegend um den Sebino gilt.
Dem Hl. Zeno, der traditionsgemäss die Fischer beschützt, ist die Pfarrkirche Parrocchiale di San Zenone gewidmet, im 18.Jh. in Nachahmung des grossartigen Neuen Doms von Brescia nach einem Projekt des Caniano gebaut und 1870, als die Küstenstrasse des Sebino eröffnet wurde, verschönert worden durch die vom Architekten Carlo Melchiotti entworfene Marmortreppe.

SAN VIGILIO IN ISEO

Spärlich und ungenau sind die Angaben über St. Vigil, der Ende des 6. Jh. der vierzehnte oder gar fünfzehnte Bischof von Brescia war. Zu jener Zeit, welche wahrscheinlich den Jahren zwischen dem Ende des Goten- und dem Beginn des Langobardenreiches entspricht, befand sich Italien in einem Zustand der Misere und Trauer. In Iseo soll Bischof Vigilio der zersplitterten christlichen Gemeinde beigestanden sein, dort sei er auch gestorben und begraben worden. Ihm schreibt man die Gründung der ersten Basilika der Pfarre zu, die er dem Hl. Andreas widmete. Daraufhin sind darin angeblich seine Reliquien angebetet worden.

VON DEN SIEGESZUEGEN ZUR TRAGÖDIE

Francesco Bussone, Carmagnola genannt, stellte seine Gewandtheit als Feldherr in den Dienst von Mailand und belagerte 1422 Genua. Daraufhin richtete er sein Schwert gegen Mailand und führte die venezianischen Truppen zur siegreichen Schlacht von Maclodio (1427). Diese bedeutete die Eroberung der Provinz Brescia, wo Venedig dem Carmagnola als Entgelt zahlreiche Besitze zuteilte. Im Anschluss erlitt er in eine Reihe von Niederlagen, entweder aufgrund seines im Untergang begriffenen Glückssterns oder um seinen einstigen Mailänder Freunden entgegenzukommen. Die Venezianer beschuldigten ihn des Verrates und richteten ihn 1432 hin. Alessandro Manzoni gab dieser faszinierenden Persönlichkeit ihre Grösse zurück, indem er ihr 1820 eine Tragödie widmete.

Ora et labora auf der Schwelle des Torfmoores

Das Kloster San Pietro in Lamosa ist antiken Ursprungs und erhebt sich dort, wo wahrscheinlich ein Heidentempel dem orientalischen Gott Mitra, der die Sonne versinnbildlichte, gewidmet war. Die romanischen Chorkapellen, noch sichtbar an den Seiten der Zentralapsis, waren Teil der ursprünglichen Kirche, die 1803 den kluniazensischen Mönchen geschenkt wurde. Letzteren verdankt man den Wiederaufbau der Kirche in ihren heutigen Formen (12. Jh.).
Aufgabe der Kluniazenser war es, den Armen Almosen zu bringen und den Pilgerern Unterkunft zu gewähren, doch aufgrund der nachlassenden Aufsicht von Seiten des Hauptsitzes in Cluny nahmen die Vorfälle von "Missverwaltung" zu: Giovanni waltete 1261 als Prior, geriet in hohe Verschuldung und versuchte diese auszugleichen, indem er mit einem Übermass an Zwangslosigkeit den klösterlichen Besitz verpachtete. Er ernannte ausserdem Mönche, deren Interessen von der benediktinischen Regel "Ora et labora" abwichen.
1536 wurde das Kloster Eigentum des regulären Domherrn von San Salvatore zu Brescia. Die Kirche wurde durch den Anbau der Kapelle (1555), links vom Portal, erweitert. Die Fresken des Schirmgewölbes stellen Evangelisten und Kirchenlehrer und in den Lünetten Sibyllen und Propheten dar. Das Fresko, das den Abt Sankt Antonius zwischen Sankt Benedikt und Sankt Peter dem Märtyrer darstellt, stammt aus dem Jahre 1456 und weist eine Widmung in gotischer Schrift auf. Darunter eine Grablegung, dessen Kreuz "nordischen Typs" ist, d.h. ein von zwei Pfählen getragener Querbalken.
(Auskünfte: Freunde des Klosters, bei Battista Simonini, Tel.: 030/ 983477)


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