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Die Burgen
der Lehnsherren am Lauf des Oglio Das Bild des Flachlands bis hin zur natürlichen Flussgrenze wurde von
den einflussreichen Familien Gambara und Martinengo durch deren kriegerischen Traditionen,
aber auch dank deren Mäzenatentum und deren Bodenkultivierung gestaltet
Von der Autobahnausfahrt A21 in Pontevico erreichen wir
SENIGA; überqueren wir den Oglio hin zum Gebiet um Cremona bietet sich uns ein
eindrucksvoller Anblick der Villa Fenaroli (1678), deren Lage in einer antiken Burg
ihr zu effektvoller Grossartigkeit verhilft. Von der Fassade des Gebäudes, die von
Gasparo Turbini entworfen wurde, ist ein terassenartiger Garten mit nunmehr
jahrhundertealten Pflanzen bis hinunter zum Fluss angelegt.
Die Pfarrkirche Santa
Maria di Comella auf freiem Feld wurde um 1200 errichtet, wobei - in bescheideneren
Dimensionen - die Basilica von Leno nachgeahmt wurde. In den zwanziger- Jahren hat eine
erste Renovierung barocke Zusatzverzierungen entfernt, um die Backsteinmauerei der Kirche,
die drei halbrunde Apside und ausgeschmiegte Fensterchen aufweist, zu betonen. An
Feiertagen ganztägig, an Werktagen morgens (8 - 11.30 Uhr) geöffnet.
Auch MILZANO besitzt die Kopie einer anderen Kirche: die Pfarrkirche San
Biagio Vescovo errichtete man nämlich, beginnend im Jahr 1606, als Nachahmung des Doms
von Tortona (Piemont), der 1583 geweiht wurde, als Cesare, aus der mächtigen Familie Gambara stammend, Bischof der Stadt
war. An der rechten Kirchenwand befindet sich ein Letztes Abendmahl von Paolo da Cailina
der Jüngere und ein Muttergottes mit Heiligen von Andrea Celesti.
Die Legende will, dass sich in PRALBOINO
der erste Langobardenkönig Albuin im Jahr 568 aufhielt, doch der Name
Alboinus für diese Ortschaft wird bereits 514 von Kassiodor erwähnt.
Der Palazzo Gambara erhebt sich dort, wo eine Burg aus dem 14. Jh. stand, welche 1516 dem
Kaiser Maximilian aus Habsburg Gastfreundschaft bot. Das Gebäude wurde im 17. Jh.
renoviert und gegen Ende des 18. Jh. von Gasparo Turbini neu errichtet.
In der Pfarrkirche Sant Andrea (18.
Jh.) wird ein Portrait des Kardinals Umberto Gambara von Moretto aufbewahrt.
Wir kehren zurück nach PONTEVICO, dessen eindrucksvolles Castello mittelalterlichen
Ursprungs und reich an Geschichte in zunehmenden Verfall geriet, bis es 1803 zu einer
Giesserei wurde. 1843 liess ein österreichischer Adliger die Burg in neugotischem Stil
wieder aufbauen, brachte jedoch die fünf Türme und die Hauptmauern zum Abriss.
Fährt man in einiger Entfernung den Oglio
entlang, gelangt man im Gebiet von VEROLAVECCHIA zum charakteristischen Landhof
Corte rurale di Monticelli dOglio. Bei diesem einzigartigen Häuserkomplex aus dem
17. Jh. stehen die Gebäude Seite an Seite am Platz, der an drei Seiten von
Laubengängen umgeben wird. An der nördlichen Seite sind die Arkaden unterbrochen, um die
Sicht zur Ebene hin zu öffnen. An der südlichen Seite befinden sich das Herrenhaus, die
Kirche und die Geschäfte.
Auch in VEROLANUOVA übte die Familie
Gambara ihren Einfluss aus. Der Palazzo Gambara, das heutige Rathaus, wurde im 16. Jh. vom
Architekten Dionisio Baldo aus Pralboino erbaut. Den prunkvollen Stil kündigen bereits
die Marmorballustraden der Brücke an, die über das Gerinne der Gambara und weiter
zum Tor führt, das mit barocken Statuen der Minerva und des Mars besetzt ist. Die vier
Räume im Inneren sind an den Decken mit Paneelen des Malossa (18. Jh.) verziert. Vor dem
Palast breitet sich der Piazza della Libertà aus, der durch die Öffnungen der
umliegenden Häuser erreichbar ist.
Die Pfarrkirche Basilica di San Lorenzo
wurde im 17. Jh. umgebaut und mit Kunstwerken aus dem Mäzenatentum der Gambara
bereichert. Sie rühmt sich zweier grosser Gemälde (Fall des Manna und Opfer des
Melchisedek; je 66 qm), die 1740-41 von Giambattista Tiepolo ausgeführt wurden. Nicht
weit entfernt steht die Chiesa della Disciplina (14.-16. Jh.), wo sich das Grab des
Nicolò Gambara, der als Truppenführer im Dienste des Kaisers Karl V. stand und 1592
starb, befindet.
Der Torre civica mit gotischen Fenstern in
VEROLAVECCHIA war einst Turm einer kleinen Burg, von der noch einige Überreste
ersichtlich sind.
Es geht weiter in Richtung BORGO SAN
GIACOMO, um - nachdem man die Strasse Quinzanese überquert hat - rechts nach
PADERNELLO abzubiegen, wo sich die erste der vier Burgen der Martinengo (siehe Abbildung)
befindet. Von hier gelangt man nach Borgo San Giacomo und dann nach VILLACHIARA (zweite Burg), von wo wir einen kleinen Abstecher in
den Ortsteil VILLAGANA zur dritten unternehmen. Wir kehren nach Villachiara zurück und
fahren auf der Strasse am Oglio weiter in Richtung ORZINUOVI und treffen im Ortsteil BARCO
auf die vierte Burg.
Die Ortschaft Orzinuovi kennt ein
Geburtsdatum: 1193 beschlossen die Brescianer, auf diesem wegen der Nähe zum Fluss Oglio
strategisch wichtigen Standort eine Festung zu errichten. 1520 vertraute Venedig dem
Architekten Sammicheli den Auftrag an, die Zitadelle so zu gestalten, dass sie
unbezwingbar sei. Sie nahm die Form eines Sterns mit fünf Ecken und sieben Wällen an.
Von der gewaltigen Anlage bleibt heute lediglich die Rocca (1477) erhalten. Die Burg, die
zur Zeit renoviert wird, ist Werk des Militärarchitekten Giovanni Borella.
Auf dem grossen Platz befindet sich
das Rathaus (municipio) in gotischem Stil, welches Sitz des venezianischen Provveditore
war und an der Südwand den Löwen des Hl. Markus aufweist. Daneben steht die Pfarrkirche
Santa Maria Assunta mit einer Renaissance-Fassade und einem neugotischen Inneren.
VERONICA UND DIE ANDEREN
Die Familie Gambara liess sich um das
Jahr 1200 in Pralboino nieder. Es handelte sich um ein Geschlecht von Feldherren, die
abwechselnd im Dienst des Reiches, der Visconti oder Venedigs standen. Schwangen die
Männer den Degen, so hatte das weibliche Geschlecht anderweitige Beschäftigungen: Alda
liess sich 1506 vom venezianischen Humanisten Gian Giorgio Trissino Maulbeerbäume
zukommen, die sie anpflanzte, um Seidenraupen zu züchten; Emilia leitete 1541 die Wasser
des Mella zu Bewässerungszwecken um; Veronica (1485- 1550) widmete sich der Poesie,
heiratete den Marchesen Gilberto X. di Correggio und rief einen Dichter- und
Künstlerzirkel ins Leben.
Die bezinnten Wohnsitze der Adeligen
Martinengo
Das Schloss von Padernello (zweite
Hälfte des 15. Jh.) befindet sich heute in einem erbärmlichen und verlassenen Zustand.
Im 18. Jh. betonte Antonio Marchetti den Charakter der Nobelresidenz, indem er
Erweiterungen, Fensteröffnungen und den Bau einer grossen Prunktreppe im Inneren in
Auftrag gab. In diesem Schloss fiel auch schon ein geheimnisvolles Delikt (1521) vor:
Opfer war die Gattin von Antonio Martinengo, der Hauptverdächtige, als Motiv vermutete
man Eifersucht.
Die Martinengo hatten Villachiara seit dem
13. Jh. zum Lehen und errichteten gegen Ende des 14. Jh. im Dorfzentrum die Burg,
die im 16. Jh. zu einem Herrenhaus wurde. Auf der Hausseite zum Platz hin weist eine
niedrige Mauer an ihren Extremitäten zwei zylindrische Türme auf, die Aussenfresken
(Restspuren) schreibt man den Campi aus Cremona zu.
Die mittelalterliche Burg im Ortsteil
Villagana wurde zu Beginn des 20. Jh. auf einen Entwurf des Mailänder Malers Comolli hin
ziemlich umstrukturiert. Es blieb der Säulengang im Hof aus der Renaissance, der
quadratische Hauptturm und die südliche Seite mit der kleinen Loggia.
Das Schloss von Barco (15. Jh.), auf einer
früheren Festung errichtet, besass weder Burggraben noch Zugbrücke, doch im 16.
Jh. war es weit bekannt wegen seines wunderschönen typisch italienischen Gartens.
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